Direkt ins Haus
Eigener Programmdirektor sein, mit Hunderten von Filmen per Fernbedienung vom heimischen Fernseher a la carte gegen Gebühr abrufbar – mit dieser Vision von einem erträglichen Geschäft bauten TV-Kabelfirmen in Europa und den USA in den neunziger Jahren ihre Breitbandkabelnetze zum Datenhighway aus.
US-Medienmogul John Malone bot sogar 5 Milliarden Dollar für das Kabelnetz der Deutschen Telekom AG. Erfolglos. Der Mann hat großes Glück gehabt. Genau wie die Telekom, die ihr Kabelnetz gerade noch rechtzeitig im Januar an ein Bieterkonsortium verkaufte.
Denn um im Spielfilmverleih-Geschäft mitzumischen, braucht man keine teure Infrastruktur. Dem Silicon Valley Unternehmer Reed Hastings reicht die Post. Über seine Firma Netflix schickt er monatlich die Silberscheiben direkt an seine 1,2 Millionen Kunden – die senden die Filme nach Gebrauch zurück.
Netflix setzt damit rund 20 Millionen Dollar pro Monat um und ist seit Sommer profitabel. Das Geschäftsmodell ist so überzeugend, dass es der Handelsgigant Walmart mit einem eigenen Service nachahmt. Doch dank stetiger Innovation kommt das gerade mal fünf Jahre alte Netflix jetzt unter Druck.
Der Medienkonzern Disney hat in den USA einen Service namens Moviebeam gestartet, der Spielfilme ausstrahlt. Rund um die Uhr werden Spielfilme über die Abtastlücke von Fernsehsendern auf einen vom koreanischen Elektronikkonzern Samsung gefertigten digitalen Videorekorder übertragen. Der enthält eine 160 Gigabyte Festplatte mit Platz für rund 100 Filme.
Die Streifen sind verschlüsselt und werden gegen Gebühr per Telefonleitung aktiviert. Wie bei einem DVD-Player oder herkömmlichen Videorekorder lassen sich die Filme stoppen, vor – und zurückspulen. Das Prinzip funktioniert mit allen digitalen Inhalten also auch Musiktiteln, obwohl Disney momentan nur Filme anbietet. Der Medienkonzern will die digitalen Videorekorder vermieten. Laut Disney kostet es rund 250 000 Dollar pro lokaler Fernsehstation, um das Material auszustrahlen. Ein Klacks gegenüber den Milliarden-Investitionen in Breitband-Kabelnetze. Deren Betreiber können sich schon mal warm anziehen – auch hierzulande. Ein Paradebeispiel für kreative Zerstörung dank Innovation.
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