Das rote Telefon
Michael Robertson ist ein umtriebiger Gründer. Reich und berühmt geworden ist er mit der Musikplattform MP3.com, die er für im Mai 2001 für 372 Millionen Dollar an den Medienkonzern Universal verkaufte.
Mit dem Profit legte er sich mit keinem geringeren als den Softwarekonzern Microsoft an. Robertsons Firma Lindows vermarktet als billige Alternative zu Windows ein Betriebssystem für Personalcomputer auf der Basis von Linux. Der Wettbewerb mit Microsoft lastet den Unternehmer scheinbar nicht aus.
Und so hat er gerade eine neue Firma namens Sipphone gegründet, die den Markt der Telefongesellschaften attackiert. Sipphone bietet über das Internet vermittelte Gratistelefonate an.
Nun führen PC-Begeisterte schon seit Mitte der neunziger Jahre via Mikrofon und Kopfhörer Gespräche über das Internet. Mittlerweile nutzen alle Telefongesellschaften den Internet-Standard, um ihren Verkehr als Datenpaket und damit kostengünstiger zu transportieren. Unternehmen setzen Internet-Telefonie ein, um interne Gespräche über das eigene Datennetz abzuwickeln. Telekommunikationsausrüster wie Cisco wittern ein Milliardengeschäft.
Nur im Privatkundengeschäft hat sich die Internet-Telefonie nie richtig etabliert, vor allem weil die Tarife für Fern-und internationale Gespräche seit Mitte der neunziger Jahre um bis zu neunzig Prozent gefallen sind. Das Telefonieren per PC-Lautsprecher oder Kopfhörer ist zudem nicht sonderlich bequem und die Software oft kompliziert. Dort setzt Robertson an. Sipphone verkauft für achtzig Dollar einen Adapter, der herkömmliche Telefone mit dem Internet verbindet. Voraussetzung ist ein Breitbandanschluss. Ein Computer ist nicht nötig. Die Telefone erhalten eine Spezialnummer, die Gespräche sind kostenlos.
Gewinn will Robertson mit dem Verkauf der Adapter machen. Der Haken: Die Gratis-Telefonie funktioniert nur zwischen Telefonen, die mit dem Adapter ausgerüstet sind. In der Minimalvariante sind also zwei Adapter nötig, die nach der Art des roten Telefons im Kreml und Weißen Haus via Internet eine Art virtuelle Standleitung schalten.
Für Vieltelefonierer, die oft mit einem bestimmten Familienmitglied oder Freund telefonieren sowie Kleinunternehmen, die eine Niederlassung im Ausland kostengünstig anbinden wollen, ist die Offerte jedoch interessant.
Kommentare