Die Dilettanten
Entspannt lehnte sich Tom Siebel in seinen Sessel im Restaurant des eleganten Monterey Bay Hotels zurück. Schadenfreude glitzerte in seinen Augen, als der Chef und Gründer des gleichnamigen Anbieters von Kundenverwaltungssoftware den von der Investmentbank Merrill Lynch geladenen Fonds-Managern das Großreinemachen im nahe gelegenen Silicon Valley prophezeite. Einfach nur das Maul weit aufreißen und Großartiges versprechen, funktioniere in der Hightech-Rezession nicht mehr. Jetzt würden die Dilettanten enttarnt, die mit absurden Geschäftsmodellen großspurig Gelder bei Wagnisfinanzierern und Privatinvestoren eingesammelt hätten. Seine Firma habe ein im Boom förmlich aufgezwungenes Experiment, das Anbieten von Kundenverwaltungssoftware via Internet per monatlichem Abo, wieder eingestellt. Und Siebel kündigte den baldigen Aufschwung an, von dem sein Unternehmen als etablierte Firma und Marktführer beim Verwalten von Kundenbeziehungen besonders kräftig profitieren würde. Das war im November 2001.
Seitdem hat die Wirtschaftskrise die Computer- und Softwareindustrie tatsächlich kräftig ausgedünnt – und Siebels Umsätze gleich noch mit.
Sein Erzkonkurrent SAP nahm ihm kräftig Marktanteile ab. Die Aktie plumpste in neue Tiefen, verärgerte Kleinanleger demonstrieren gegen die exzessive Entlohnung des Firmchef. Und auch das FBI konnte dem erbosten Unternehmer nicht erklären, wer eine interne Studie über unzufriedene Kunden an die Öffentlichkeit lanciert hatte.
Zu allem Überfluss jagt ihm auch noch eins der vermeintlichen Dilettanten-Unternehmen – das Startup Salesforce.com - Kunden ab. Die Firma aus San Francisco bietet ihre Kundenverwaltungssoftware ausschließlich über das Internet an. Siebel reagierte – und bietet nun in einer Kooperation mit IBM seine Software ebenfalls in einer Internet-Version an. Damit folgt er Firmen wie Sun, HP und IBM, die mit preisgünstigerer Software die Branche beleben wollen und damit Umsätze aufs Spiel setzen. Was nicht aus purer Wohltätigkeit geschieht, sondern um neue Märkte durch ein Paket aus Hardware, Software und Dienstleistung zu etablieren. Wer sich wie Siebel als alteingesessener Anbieter nur auf eine pure Softwarelösung spezialisiert, ist in dieser neuen Softwareservice-Ökonomie benachteiligt. Aber vielleicht liegt Siebel zur Abwechslung mal richtig.
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