Interview mit Ebay-Chefin Margaret Whitman
Ebay ist so bekannt wie Coca Cola oder McDonalds und eine der Ikonen des Internets. Ebenso wie Ebay-Chefin Margaret Whitman (47) – die seit sechs Jahren die globale Handelsplattform führt und damit zu einer der prominentesten und einflussreichsten Managerinnen der USA aufgestiegen ist. Ebays Aktienoptionen haben Whitman zur Milliardärin gemacht. Ihr Privatvermögen wird auf 1,1 Milliarden Dollar geschätzt. Whitman ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Mrs. Whitman, fühlen Sie sich in Ihrem Job überhaupt noch gefordert?
Ja, absolut. Wieso nicht?
Weil es kaum noch Konkurrenz zu Ebay gibt, wenn man als Privatperson etwas online verkaufen will.
Ebay ist ja kein reines Online-Auktionshaus mehr. Wir konkurrieren gegen eine Menge Wettbewerber um die Gunst der Kunden, egal ob online oder stationär. Unsere Nutzer haben im vergangenen Jahr rund 22 Milliarden Dollar an Waren gekauft. Damit sind wir unter den Top 30 Händlern weltweit. Die Herausforderung ist, unsere Wachstumsraten zu steigern und unsere internationalen Märkte auszubauen. Das hält mich auf Trab.
Ebays Zuwachsraten haben sich im vergangenen Jahr allerdings verlangsamt.
Wir hatten besonders in Europa einen sehr zähen Sommer. Das hing einmal mit der Hitze zusammen. In Deutschland ging der Zuwachs zurück, weil wir die Mehrwertsteuer auf unsere Dienste einführen mussten. Das hat es natürlich für Käufer und Verkäufer teuer gemacht. Doch momentan läuft das Geschäft wieder auf Hochtouren.
In Deutschland haben Sie gerade die Gebrauchtwagen-Handelsplattform mobile.de erworben. Wie passt das in Ihre Strategie?
Der Handel von Gebrauchtwagen via Internet ist ein fantastischer Wachstumsmarkt in Deutschland. Das liegt meiner Meinung nach an einem ineffizienten Markt, der sowohl Privatverkäufern wie auch professionellen Händlern das Geschäft erschwert und die Auswahl für Kunden einschränkt. Wir verkaufen über Ebay Deutschland bereits alle drei Minuten ein Auto. Damit haben wir allerdings noch nicht mal ein Prozent des auf 62 Milliarden Dollar geschätzten Marktes mit Autos und Zubehör erschlossen.
Gemeinsam mit mobile.de werden wir Verkäufern ein größeres Publikum durch Auktionen sowie Anzeigen bieten und Käufern eine vielfältigere Auswahl. Es ist ein klassischer Markt für Ebay.
Wenn Sie bereits selber so erfolgreich im deutschen Autogeschäft sind, macht es überhaupt Sinn für immerhin 121 Millionen Euro einen Wettbewerber zu kaufen?
Auf jeden Fall. Unsere Nutzer erhalten mehr Auswahl, beide Webseiten eine größere Reichweite und letztlich mehr Wachstums. Das rechtfertigt den Kauf.
Wird Mobile.de als selbständiges Web-Angebot weitergeführt oder in Ebay integriert?
Wir haben den Kauf noch nicht abgeschlossen. Momentan sind wir noch dabei, die Geschäfte von mobile.de näher zu analysieren. Für solch eine Entscheidung ist es noch zu früh. Es macht aber sicherlich Sinn, beide Angebote eng miteinander zu vernetzen.
In ihren Präsentationen vor internationalen Investoren haben Sie immer betont, wie sehr beispielsweise die starren Ladenschlussgesetze zu Ebays Erfolg in Deutschland beigetragen haben. Jetzt starten zumindestens verhaltene Reformen in Deutschland – zum Nachteil für Ebay?
Wir haben mittlerweile eine sehr starke Position in Deutschland. Bei uns kann man rund um die Uhr einkaufen und das bietet kein stationärer Händler. Wir haben allerdings auch von den Vorteilen des Standorts Deutschland profitiert – beispielsweise das ausgezeichnete Post- und das elektronische Zahlungssystem.
Sie überlegen Ihren für 1,5 Milliarden Dollar erworbenen Email-Bezahlservice Paypal auch in Deutschland anzubieten. Ist das sinnvoll, wo der elektronische Zahlungsverkehr schon so gut funktioniert?
Ja, wir werden Paypal auch in Deutschland anbieten. Ein Datum steht noch nicht fest, aber wir werden es auf alle Fälle versuchen. Wir glauben, dass der Service durchaus eine Chance hat, wenn er die Abwicklung von Käufen noch einfacher macht.
In Japan hat Ebay seine Auktionsplattform eingestellt. Ist es nicht ein Fehler, den Markt Wettbewerber Yahoo zu überlassen?
Nein. Wir waren in Japan die Nummer 2 mit großem Rückstand zu Yahoo. Die große Ausnahme weltweit – denn auf allen anderen Auslandsmärkten sind wir Marktführer oder liefern uns wie in Taiwan mit Yahoo ein Kopf-an-Kopf Rennen. Ich sah keinen Weg, unsere Position in Japan kurzfristig zu verbessern. Deshalb habe ich die personellen und finanziellen Ressourcen lieber auf andere Märkte konzentriert – wie beispielsweise Deutschland, Frankreich, Italien oder China.
Kann man es sich leisten, nicht in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vertreten zu sein?
Ebay ist eine globale Handelsplattform. Viele unserer Nutzer handeln längst über Ländergrenzen hinweg. Japan wird dort eingebunden werden. Ich konzentriere mich momentan auf China, wo wir die Handelsplattform Eachnet erworben haben. China ist faszinierend und birgt viele Herausforderungen, vor allem weil die Infrastruktur wie beispielsweise das Postsystem noch nicht so gut entwickelt ist. Aber das hat sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan. China könnte der mit Abstand größte Markt für uns werden.
In Indien wiederum sind sie überhaupt nicht präsent.
Wir haben Indien im Blick. Aber es ist kein Vergleich mit China. In Sachen Internet-Penetration ist Indien mindestens vier Jahre hinter China zurück.
Viele Softwareunternehmen lagern momentan Jobs nach Indien aus – auch Ebay?
Nein, das ist kein Thema für uns. Unser Fokus ist für dieses Jahr schnell zu wachsen mit dem Ausbau unserer technologischen Plattform. Wir haben unser Technikteam im Silicon Valley konzentriert und finden hier genügend Talente.
Ebay muss sich mehrerer Klagen wegen Patentverletzungen erwehren. Sie wurden verurteilt, dem Konkurrenten Mercexchange zunächst 35 Millionen Dollar zu zahlen. Anstatt kleinbeizugeben und Lizenzgebühren zu zahlen, fechten sie die Dispute vor Gericht aus. Aus Prinzip?
Nein, wir prüfen jeden Einzelfall. Bei der Mercexchange waren und sind unsere Anwälte zuversichtlich, dass wir uns letztlich durchsetzen werden.
Die ganze Industrie kämpft mit Patentklagen.
Ja, die haben definitiv zugenommen. Das Problem ist stets Thema, wenn ich mit anderen CEOs treffe. Das US Patentamt wurde vor 150 Jahren gegründet, in einer ganz anderen Wirtschaftsperiode. Keine Frage, wir müssen unser intellektuelles Eigentum schützen, aber das klappt nicht mit den alten Methoden.
In den USA lassen sich Geschäftsmethoden schützen. Sollte man das abschaffen?
So rundweg kann man das nicht tun. Welche Methoden man zulässt, sollte aber besser geprüft werden.
Wagnisfinanzier im Silicon Valley pumpen momentan Millionen von Dollar in Startups wie Friendster, die sogenannte soziale Netzwerke per Internet aufbauen. Ebay- Gründer Pierre Omidyar startete Mitte der neunziger Jahre mit einer ähnlichen Idee – Leute per Internet zu verbinden und unter ihnen Vertrauen aufzubauen. Daraus entstand Ebay. Sind diese Startups eine Gefahr für Ebay?
Momentan nicht. Klar, sie sind von Ebay inspiriert. Während es bei ihnen jedoch darum geht, über Freunde ein Date oder ein Job zu finden, dreht sich bei uns alles um Handel. Sie haben keinen kommerziellen Aspekt.
Das wird sich ändern, schließlich sind die Wagnisfinanzierer keine Wohltäter.
Klar kann sich das ändern. Wir sind stets auf der Hut vor neuen Technologien, die unser Geschäftsmodell gefährden können.
Wären diese sozialen Funktionen nicht auch was für Ebay? Schliesslich fallen sich auf den Nutzer-Kongressen regelmäßig die Leute um den Hals.
Es stimmt, dass viele Freundschaften zwischen Händlern, Käufern und Sammlern auf Ebay entstehen. Aber Ebay als Kuppler? Das ist wohl etwas zu dick aufgetragen.
Sie sind angeblich ein sehr aktiver Ebay-Käufer. Stimmt das?
Ja, ich kaufe regelmäßig via Ebay ein. Es ist ideal für mich, weil ich gern Sachen mit persönlichem Bezug verschenke. Meine Schwiegereltern leben in Sweetwater, einem kleinen Städtchen in Tennessee. Denen habe ich zu Weihnachten zehn gerahmte historische Postkarten von Sweetwater geschenkt, die bis ins Jahr 1919 zurückgehen - alle auf Ebay ersteigert. Meine Schwester hat ihren Abschluss auf der Universität von Pennsylvania gemacht. Der habe ich Exemplare von der Universitätszeitung ihres Jahrgangs besorgt.
Hatten Sie heftige Konkurrenz beim Bieten?
Ja, besonders bei den Postkarten. Da gab es rund 20 Gebote und bei sechs Auktionen habe ich immer gegen den gleichen Bieter um die Wette geboten. Im Gegensatz zu ihm, durfte ich allerdings nicht in den letzten zwei Minuten vor Schluss bieten. Das ist Ebay-Mitarbeitern nicht gestattet.
Haben sich die Verkäufer eigentlich verschaukelt gefühlt, dass Meg Whitman bei ihnen einkauft? Sie sind ja sehr bekannt unter Ebay-Nutzern.
Meine Identität lässt sich nicht so ohne weiteres lüften. Trotzdem hat es einer der Händler herausbekommen. Der fragte per Email an, ob ich es wäre und ich habe es bestätigt.
Im Silicon Valley gibt es Gerüchte, dass Ebay gern Google übernehmen würde.
Ich kann Spekulationen nicht kommentieren. Wir sind einer der wichtigsten Kunden von Google und es gibt gute Synergien zwischen uns.
MATTHIAS HOHENSEE/SILICON VALLEY
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